Schnelle Leitung

Mit Health-2.0-Anwendungen können Patienten und Zuweiser zu jeder Zeit Termine online verbindlich buchen – unabhängig von telefonischen Sprechzeiten der Klinik. Das ist nicht nur serviceorientiert, sondern reduziert auch den Verwaltungsaufwand.

Im beruflichen und privaten Alltag hat das World Wide Web einen festen Stellenwert. Junge Menschen sind fast zu 100 Prozent Onliner. In der Altersgruppe von 34 bis 59 Jahren sind es immer noch 81 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen. Bei den über 60-Jährigen liegt der Nutzungsgrad zwischen 30 und 50 Prozent. Auch im Gesundheitswesen hat die Nutzung des Internets in den vergangenen Jahren stark zugenommen. 396 Millionen „Seiten auf Deutsch“ in 0,14 Sekunden findet Google auf der Suche nach dem Stichwort „Gesundheit“. Health 2.0 und der häufig synonym verwendete Begriff Medicine 2.0 beschreiben dabei die Übertragung der Web-2.0-basierten online Technologien auf das Gesundheitswesen. Eingeordnet werden Health 2.0 und Medicine 2.0 unter dem Begriff „E-Health“, der wiederum die modernen Verfahren der Informations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen subsumiert. Health-2.0-Technologien unterscheiden sich nach ihren inhaltlichen Schwerpunkten. Diese reichen von Social Media mit Gesundheitsthemen (zum Beispiel www.mbcnetwork.org, www.bcaction.de) über Such- und Bewertungsportale für Ärzte und Kliniken (zum Beispiel www.weisse-liste.de, www.docinsider.de, www.station24.de) bis hin zum Daten- und Informationsaustausch von Patienten mit Ärzten und anderen Gesundheitsdienstleistern (zum Beispiel www.fallakte.de, www.samedi.de).

Vergleichbar mit kostenintensiven Innovationen in der Medizintechnik wurden vor allem webbasierte Entwicklungen der klinikübergreifenden Telemedizin mit hohem Aufwand vorangetrieben. Jedoch war die Begeisterung an den technischen Innovationen teilweise größer als der potenzielle Nutzen für die Akteure. Die Evaluation des tatsächlichen Mehrwerts und die Berücksichtigung der Usability für die Nutzer schien nicht immer im Vordergrund zu stehen. Deutlich wird – von der Bildgebung abgesehen – eine eher zurückhaltende Nachfrage der angebundenen Arztpraxen nach einem intersektoralen Austausch von detaillierten medizinischen Daten via Telemedizin. Auch Krankenhäuser sind zurückhaltend bei der Nutzung webbasierter Informations- und Kommunikationstechnologien.

Täglich sind allerdings Herausforderungen der klinik- und sektorenübergreifenden Arzt-Patientenkommunikation zu bewältigen, die mit Health-2.0-Anwendungen deutlich unterstützt werden könnten. Das gilt beispielsweise für telefonische Erreichbarkeiten und Terminvereinbarungen. Meist sind diese Tätigkeiten auf wenige Stunden täglich limitiert und, aufgrund einer eingeschränkten Usability des Terminmanagements so mancher Krankenhausinformations-Systeme (KIS), personengebunden. Folglich dominiert auch heute noch vielerorts der Papierkalender für die externe Terminvergabe mit nachfolgenden kostenintensiven internen Kommunikationsprozessen in den Krankenhäusern und einer eingeschränkten Servicequalität für Patienten und Zuweiser. Ebenso findet klinikintern nicht immer eine bedarfsgerechte Ressourcenplanung von Personal, Räumen und Geräten entsprechend dem Behandlungspfad statt. Automatisierte Terminerinnerungen via E-Mail oder SMS sind bisher nicht möglich. Nicht aufeinander abgestimmte Ambulanzbesuche und zu lange Wartezeiten in der Diagnostik sind mögliche Folgen für die Patienten. Ferner werden für OP-Terminierungen selbst bei gut planbaren Interventionen keinesfalls stets alle Ressourcen berücksichtigt. Warte- und Leerzeiten für Patienten, Personal und ungenutzte kostenintensive Raum- und Geräteressourcen sind auch hier keine Seltenheit.

Der Austausch von Informationen mit den Patienten und den am Behandlungsprozess intersektoral beteiligten Ärzten ist im Zeitalter von Web 2.0 im Wesentlichen noch papiergebunden. Arztbriefe und allgemeine Informationen werden zeit- und kostenaufwendig per Post oder via Fax zwischen den Gesundheitsdienstleistern und den Patienten ausgetauscht, um anschließend wieder unstrukturiert als PDF-Dokument in die KIS und Praxissoftware-Systeme eingescannt zu werden. Die Beschränkungen der analogen intersektoralen Kommunikation im Gesundheitswesen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • zeit- und kostenaufwendige Prozesse für die externe Kommunikation
  • meist fehlende vollständig integrierte Ressourcenplanung (unter anderem von Arzt, Pflege, Räumen und Geräten) im Rahmen des Terminmanagements
  • häufig personengebundene, unspezifische und nicht an mehreren Orten zeitgleich verfügbare Informationen
  • eingeschränkte Erreichbarkeit und Servicequalität der Gesundheitsdienstleister
  • keine automatisierten Terminerinnerungen
  • kein automatisierter Versand von allgemeinen Informationen
  • kein integriertes Case-Management.

In einer deutschlandweiten Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte befürworteten 42 Prozent der Befragten einen Online-Überweisungsservice mit Informationen über Diagnosen, Behandlungskosten, Behandlungsqualität und geografischer Lage der Gesundheitsdienstleister. 38 Prozent wünschten sich die Möglichkeit Arzttermine online zu buchen und einen sicheren online Zugang zu ihrer Krankenakte. Die Chancen der Krankenhäuser liegen damit in der Integration von Health-2.0-Anwendungen für die intersektorale Kommunikation mit integrierter Termin- und Ressourcenplanung sowie der auch von extern zumindest teilweise zugänglichen elektronischen Krankenakte (technisch ist künftig auch ein Zugang für Patienten möglich). Darüber hinaus sind die automatisierten Terminerinnerungen und deren positiver Einfluss auf die Behandlungsqualität von Bedeutung. Über den Erfolg dieser Technologien werden wie bei Google und Apple Leistungsstärke, Verfügbarkeit und Einfachheit der Bedienung entscheiden. Diese Entscheidung wird von den Usern und damit von den Patienten und Ärzten getroffen werden. Besonders für schwerhörige und gehörlose Patienten eignet sich die internetbasierte Kommunikation mit Ärzten und Kliniken. Online Überweisungen, Terminbuchungen und -erinnerungen, ein Ressourcenplanungssystem sowie der Austausch von allgemeinen Informationen leisten hier einen enormen Beitrag zu einer verbesserten Servicequalität und optimierten Behandlungsabläufen. Für die Implementierung der Health-2.0-Anwendung (Samedi®) im Comprehensive Cochlear Implant Center (CCIC) in Tübingen wurden zu Beginn die Behandlungsabläufe mit den benötigten Ressourcen und die verfügbaren Sprechstundenzeiten in das Konfigurationsmenü eingepflegt. Entsprechend der Verknüpfung der einzelnen Ressourcen mit ihren zeitlichen Erfordernissen werden daraus automatisch verfügbare Sprechstundenslots für die Patienten kalkuliert.

Die Terminhoheit über die verfügbaren Sprechstundenzeiten bleibt damit weiterhin in der Klinik. Patienten und Zuweiser buchen lediglich selbstständig freie Sprechstundenslots, ohne dass zeitaufwendige und für die schwerhörigen Patienten teilweise nicht mögliche Telefonate nötig sind. Ebenfalls einmalig definiert wurden automatisierte SMS-Erinnerungen und der Versand von allgemeinen Informationen via E-Mail für die jeweiligen Sprechstunden. Diese reichen von der Anfahrtsbeschreibung über Hinweise für eventuell erforderliche Unterlagen bis zu möglichen Anamnesefragen. Allgemeine Fragen und Terminvereinbarungen können von Patienten und niedergelassenen Ärzten nun selbstständig zu jeder Tages- und Nachtzeit sieben Tage die Woche online getätigt werden, ohne dass für die Terminvereinbarung personelle Ressourcen der Klinik in Anspruch genommen werden. Wichtig dabei ist das einfache Handling für die Patienten und Zuweiser. Mit wenigen Klicks können die Termine verbindlich gebucht werden. Für alle buchbaren Sprechstunden sind die dazugehörigen Behandlungsabläufe hinterlegt. Damit werden je nach gebuchtem Termin die klinikinternen Ressourcen (beispielsweise Arztoder Funktionsraum) für die jeweiligen Zeitfenster belegt und die entsprechenden Informationen automatisiert versandt. Vor allem die Terminerinnerung wenige Tage vor dem geplanten Besuch im CCIC findet bei den Patienten großen Anklang.

Online vergebene Termine sind verbindlich

Kommt es zu einem ungeplanten Ressourcenausfall in der Klinik können die medizinischen Fachangestellten im Kalender den Termin per Drag-and-drop verschieben und auch darüber erhält der Patient just in time mit der Terminverschiebung die Information via SMS. Bereits nach sechs Monaten wurden im Cochlear Implant Center ohne Werbemaßnahmen (abgesehen vom Auftritt auf der Homepage) über zehn Prozent der Termine online gebucht – und das trotz des höheren Durchschnittsalters der Patienten mit Schwerhörigkeit. Von Patienten nicht eingehaltene Terminbuchungen sind dabei äußerst selten. Entscheidend ist, dass die online vergebenen Termine verbindlich gebucht werden, sodass für die Klinik kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand entsteht. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient über die online Plattform steigert nicht nur die Servicequalität, sondern erleichtert auch den klinikinternen Organisationsprozess, vereinfacht die Ressourcenplanung und unterstützt die Effizienzsteigerung. Weitere Vorteile liegen in der Stabilität des Systems und der hohen Datensicherheit, die mit verschlüsselten Datenbanken und Festplatten die Anforderungen des Online-Banking übertrifft. Um klinikinterne Organisationsprozesse zu unterstützen, wird derzeit die Erweiterung der Health-2.0-Anwendung auf komplette Behandlungspfade vorbereitet. Die Integration sämtlicher benötigter Ressourcen von der OP-Vorbereitung durch die Chirurgie und Anästhesie, der präoperativen Diagnostik über die OP-Ressourcen bis zur postoperativen Nachsorge auf Station und in den Sprechstunden soll künftig das Case- und Belegungsmanagement entlasten. Health-2.0-Anwendungen ermöglichen eine stärkere Einbindung der Patienten und Zuweiser in den Behandlungsprozess, bieten grundsätzlich eine verbesserte intersektorale Kommunikation und sichern der Versorgungsqualität. Eine sorgfältige Evaluation der „User Needs“ und des Mehrwerts für die Versorgungsqualität ist dabei unerlässlich. Die Chancen von Health-2.0-Anwendungen müssen von den IT-Abteilungen der Kliniken vermehrt erkannt werden. Nur eine moderne Healthcare-IT in den Kliniken mit einer entsprechenden Vernetzung der Systeme kann den steigenden Anforderungen der Ärzte und Patienten im Rahmen einer intersektoralen Patientenversorgung gerecht werden. Darüber hinaus wird die Einbindung von Health 2.0 in die Aus- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe erforderlich sein, um künftig die Potenziale der sich rasant weiterentwickelnden Informationsund Kommunikationstechnologien für die Sicherung der Versorgungsqualität ausschöpfen zu können.

Datenschutz und Datensicherheit

Auf den Datenschutz und die Datensicherheit ist bei der Implementierung von Health-2.0-Anwendungen für die intersektorale Kommunikation besonders zu achten. Je nach Integrationstiefe einer Health-2.0-Anwendung in Behandlungsaktivitäten, KIS oder Praxissoftware-Systeme nehmen die Potenziale für die Steigerung von Qualität und Effizienz und gleichzeitig die Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Datenverfügbarkeit zu.

Autor:

Dr. Martin Holderried

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